Konzeption eines Kurses zur Nutzung von Web 2.0 – Anwendungen im beruflichen Kontext

Den Web 2.0 Kurs, der gerade zu Ende gegangen ist, habe ich als Anlass genommen meine Konzeptionsidee für einen im nächsten Jahr geplanten Kurs bereits jetzt weiter zu konkretisieren. Der Web 2.0-Kurs gab dazu vielfältige Anregungen, die ich hier für meine Zwecke aufgegriffen habe. Vielen Dank an dieser Stelle an die VeranstalterInnen/ReferentInnen und TeilgeberInnen!  Ich habe aus dem Kurs Ideen zur Nutzung von Mikroblogging und Wikis aufgegriffen und zusätzlich um einen sozialen Bookmarking Dienst ergänzt.

Rahmenbedingungen
Der Kurs ist geplant für Auszubildende in der letzten Phase ihrer Ausbildung.

  • Präsenzveranstaltung
  • Computer für jeden mit Internetverbindung vorhanden
  • Dauer 12h, über 5 Wochen verteilt
  • Teilnehmeranzahl bis 20
  • heterogenes Vorwissen der TeilnehmerInnen bezüglich Kenntnissen und Nutzung von Web 2.0 Werkzeugen

Inhalte und Methode

Web 2.0 Anwendungen:

Die Lernenden erhalten die Möglichkeit ausgewählte Web 2.0-Anwendungen in geschützten Räumen kennenzulernen. Sowohl in Diigo (hier werden private Gruppen angelegt), wie auch in Wikispaces, wird im geschützten Raum gelernt werden. Für Twitter wird nur die Möglichkeit der Suche genutzt, für die keine Anmeldung erforderlich ist.

Der Kurs dient dazu den Auszubildenden die Möglichkeit zu geben, anhand von Problemstellungen einige Web 2.0-Anwendungen im konkreten Tun kennenzulernen. Hierbei werden einige exemplarisch ausgewählt, die im beruflichen Kontext Bedeutung erlangen könnten. So werden Wikis wie auch Social-Bookmarking-Tools von Unternehmen für das Wissensmanagement eingesetzt. Mikroblogging wird von Unternehmen zur Informationsgewinnung und -verbreitung genutzt.
Immer öfter finden sich bei Twitter auch Hinweise auf Stellenanzeigen, die bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz hilfreich sein können.  Twitter bietet eine schnelle und unkomplizierte Vernetzung, so dass auch Neuigkeiten im beruflichen Kontext schnell erfahren und Kontakte geknüpft werden können.
Bookmarking ist auch für das Festhalten und Ordnen gefundener Informationen im Internet für das persönliche Wissensmanagement von Bedeutung. Zudem kann wichtiges gekennzeichnet und auch persönliche Notizen hinzugefügt werden.
In der Berufswelt ist Teamfähigkeit eine sehr wichtige Kompetenz, so dient die geplante Gruppenarbeit dem weiteren Ausbau dieser.

Die Lernenden erhalten ein Skript mit:

  • Basisinformationen zur Definition von Web 2.0 und den eingesetzten Web 2.0-Anwendungen
  • eine Einführung in die Siebenschrittmethode zur Lösung von Problemstellungen nach Schmidt (1983 -1)
  • den Aufgabenstellungen
  • den Bewertungskriterien.

1. – 3. Stunde:

  • Einführung als Kurzvortrag des Lehrenden
  • Vorstellung der Arbeitsweise im Kurs und den Bewertungskriterien
  • Diskussion zur Siebenschrittmethode mit exemplarischem Einüben im gesamten Kurs durch die Lernenden selbst
  • Arbeitsanleitung zur im Kurs geplanten Nutzung von Diigo und Twitter
  • kurzes Videotutorial zur Arbeit im Wiki
  • Übungsaufgabe im Wiki (Anlegen und Editieren von Seiten, verlinken)
  • Gemeinsames Erstellen einer Wiki-Regelliste im Kurs.

4.-11. Stunde

  • problembasiertes Lernen (Aufgaben lösen) mit Fokussierung auf Kooperation und Kollaboration
  • Arbeiten in Kleingruppen (2-4)
  • am Beginn jeder Stundeneinheit stellen die einzelnen Gruppen ihren jeweiligen Bearbeitungsstand kurz vor und es gibt die Möglichkeit der Diskussion/Nachfragen zum Arbeitsablauf –> konkrete Schwierigkeiten einzelner Gruppen durch gegenseitige Hilfestellungen beseitigen.

12. Stunde

  • Abschlusstest

Da heterogene Voraussetzungen der Lernenden bezüglich der Fähigkeiten von Arbeiten in Gruppen, selbstgesteuerten Lernen und im Umgang mit Web 2.0-Werkzeugen angenommen werden, wird im Lernsetting zwischen Instruktion und Konstruktion gewechselt. Reinmann-Rothmeier und Mandl (2001 -2) sehen in dieses Vorgehen eine optimale Förderung des Lernprozesses.

Anfangs werden relativ einfache bzw. gut strukturierte Aufgaben gestellt, die mit relativ hohen Anteilen von Instruktion verbunden sind. Später gibt es dann auch komplexere Aufgaben, die auch als schlecht strukturierte bezeichnet werden. Die Instruktionsanteile nehmen dabei ab, jedoch wird, je nach dem Bedarf der einzelnen Kleingruppen, dies auf diese zugeschnitten. Kleingruppen die mehr Instruktion benötigen, werden auch im weiteren Verlauf intensiver begleitet.

Der Lehrende hat dabei die Rolle eines Beraters/Tutors. Er führt ein, berät und unterstützt bei Nachfragen und übernimmt Moderationsaufgaben. Seine Aufgabe ist es den Lernprozess zu unterstützen, jedoch nicht die Lösung der Problemstellungen vorzugeben.

Geplante Aufgaben (Beispiele)

gut strukturierte Aufgabe:


1) Klassifizieren Sie die im Kurs genutzten Web 2.0 – Anwendungen und stellen Sie zwei weitere vor (Wiki).

Komplexere Aufgabe:

2) Manuela hat in einigen Wochen ihre Abschlussprüfung. Sie hat gehört dass es im Internet Anwendungen gibt, die für Lernprozesse genutzt werden können. Manuela fragt sie danach, welche Anwendungen Sie ihr für welche Zwecke empfehlen können (Wiki).

Lehrziele
Es sollen Kompetenzen gefördert werden, die es ermöglichen Web 2.0-Anwendungen für berufliche Zwecke und die selbstorganisierte Weiterbildung zu nutzen.
Die Lernenden lernen verschiedene Web 2.0-Werkzeuge zur Nutzung im beruflichen Kontext kennen und können diese bestimmten Zwecken zuordnen.
Es stehen nicht nur kognitive Prozesse im Vordergrund, sondern vor allem die Ermöglichung von Erfahrungen.

Ein wesentlicher Aspekt wird dabei die (implizite) Förderung der Informationskompetenz und Medienkompetenz sein. Hierbei ist es auch das Ziel eine Sensibilisierung bezüglich der öffentlich zugänglichen Daten zur eigenen Person vorzunehmen. Nicht zuletzt dient die Auseinandersetzung mit Lernhilfen im Internet dazu, dass die Auszubildenden Kenntnisse über das Vorhandensein solcher Web 2.0-Anwendungen und ihren Möglichkeiten erlangen.

Die Lernenden können die vorgestellten Web 2.0-Anwendungen nach ihren Anwendungsmöglichkeiten klassifizieren (siehe Aufgabe 1).
Sie sind in der Lage Twitter für das zielgerichtete Suchen nach Informationen zu nutzen (hierfür wird es eine gut strukturierte Aufgabe geben).
Sie sind in der Lage Web 2.0-Anwendungen für das Lernen zu finden und bezüglich ihrer Möglichkeiten einzuschätzen (siehe Aufgabe 2).
Sie kennen das Urheberrecht und die verschiedenen CC-Lizenzen und wissen worauf bei Bildquellen aus dem Internet, um sie für berufliche Zwecken nutzen zu können, geachtet werden muss (hierfür wird es eine komplexe Aufgabe geben).
Sie wissen um die Risiken der Preisgabe von persönlichen Informationen im Netz und können Strategien entwickeln, was man wie preisgeben sollte, wie man sich schützt und damit die öffentliche Wahrnehmung der Person im Internet steuern kann (hierfür wird es eine komplexe Aufgabe geben).
Sie sind in der Lage Strategien für das selbstverantwortliche und gemeinsame Problemlösen in der Gruppe zu entwickeln.
Die Lernenden können in einem Wiki ihre Gruppenarbeitsergebnisse repräsentieren.

Die Lernziele werden von den Lernenden selbst aus den Problemstellungen heraus in den Kleingruppen festgelegt.

Lehrmittel/Medien
Skript
Tafel

Video
Computer und Internet

Bewertung
Sie erhalten bezüglich der Nutzung der Web 2.0-Anwendungen im Zusammenhang mit der Bewertung der Leistungen klare Vorgaben.

Ihre einzelnen Vorgehensschritte sowie ihre Problemlösungen müssen sie in den Kleingruppen in den angegebenen Anwendungen darstellen. Es wird sowohl prozessorientiert bewertet: Mitarbeit (individuell), Verhalten in der Gruppenarbeit (individuell), einzelne Lösungsschritte (Gruppe), als auch die Endergebnisse (Gruppe). Es wird auch zwischen den Gruppen am Ende ein Peer-Feedback geben, das in die Bewertung mit einfließt.

Geplant ist die Anregung einer eigenen selbstreflexiven Bewertung der Lernenden, die jedoch freiwillig erfolgen kann und keinen Einfluss auf die Benotung hat. Die Lernenden erhalten darauf Feedback und können dieses für ihren eigenen Lernprozess nutzen.

Zum Abschluss gibt es einen Test, in dem die kognitiven Lehrziele überprüft werden.

Literatur:

(1) Schmidt, Hendricus G. (1983). Problembased learning: rationale and description. Medical Education, 17, 1 (S. 11-16).

(2) Reinmann-Rothmeier, Gabi/ Mandl, Heinz (2001). Unterrichten und Lernumgebungen gestalten. In Andreas Krapp & Bernd Weidenmann (Hrsg.). Pädagogische Psychologie. Ein Lehrbuch (4. vollständig überarbeitete Auflage) (S. 601-646). Weinheim: Beltz.

 

 

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