xMOOC allgemein und eigene Erfahrungen

Um einen xMOOC (extension Massive Open Online Course) mal aus der Innenansicht kennenzulernen, hatte ich mir einen ausgewählt und mir fest vorgenommen, bis zum Ende durchzuhalten und die Aufgaben zu bearbeiten. Meine Teilnahme erfolgte also vordergründig aus Neugier: wie stellt sich denn nun ein xMOOC für Teilnehmende dar?

Der Kurs folgte im Wesentlichen der didaktischen Konzeption von xMOOCs – dazu kann man im MOOC-Blog von Claudia Bremer  hier  und hier nachlesen. Sehr umfangreich wird sich im, von Rolf Schulmeister herausgegebenem Buch: „MOOCs – Massive Open Online Courses. Offene Bildung oder Geschäftsmodell?“ (2013) mit, vor allem xMOOCs, auseinandergesetzt. Die gute Nachricht: es ist auch online als pdf verfügbar  ;-). Hier werden xMOOCs unter anderem didaktisch differenziert und kritisch unter die Lupe genommen. So werden xMOOCs bspw. gesehen als:
– orientiert am klassischen Stil der akademischen Ausbildung, in denen die Methode der Vorlesung zum Einsatz kommt und die Wissensdistribution im Vordergrund steht (im Buch – Lehmann 2013, 210).
Ein Vergleich der Charakteristika von cMOOCs und xMOOCs findet sich auf Seite 168 im Kapitel: „cMOOC – ein alternatives Lehr‐/Lernszenarium?“ von Haug und Wedekind.

Konkret hatte ich am MOOC „Web Engineering I“ teilgenommen. Der Kurs wurde von der Technischen Hochschule Mittelhessen – THM von Prof. Klaus Quibeldey-Cirkel u.a. auf iversity.org angeboten. Mehr Informationen zu diesem und dem folgendem MOOC findet man hier: Web-Engineering I: Grundlagen der Web-Entwicklung (beendet) und Web Engineering II: Developing Mobile HTML5 Apps (Start war am: 17.01.2014).

Es ging im ersten Teil um die Grundlagen der Web Entwicklung. So die Beschreibung bei iversity: „Lernen Sie die Technologien, aus denen das Web besteht, und designen und entwickeln Sie Ihre eigene Webpräsenz. Von der Chronik des Internets über die Grundlagen des Webs und des Screendesigns bis hin zum Tuning der Website“.

Es gab im Kurs einführende Videos, Materialien (Kurs-Reader, die sich aus Artikeln aus Wikipedia zusammensetzten u.a.), Quizzes, Diskussionsforen und Aufgaben. Die Ergebnisse der praktischen Aufgaben wurden durch Peer-Reviewing bewertet.

Die Kurssprache war deutsch. Das empfand ich als angenehm und spielte bei meiner Wahl eine große Rolle, denn englischsprachige Kurse und Informationen, gerade im Bereich Informatik, gibt es im Netz ja zuhauf. So war dies eigentlich fast schon ein Alleinstellungsmerkmal. Ursprünglich war geplant auch den zweiten Kursteil auf deutsch anzubieten. Dies wurde jedoch geändert und dieser hat nun englisch als Kurssprache. Immerhin stehen jedoch die Videos auch im 2. Kursteil noch in deutsch zur Verfügung (aber das Ändern des Konzeptes ist damit wiederum nicht gänzlich umgesetzt). Es ist auch nicht gerade teilnehmerfreundlich, wenn man, sozusagen mittendrin, die Kriterien verändert. Klar, mit englisch als Kurssprache kann man weltweit viel mehr Interessierte erreichen, aber damit ist eben das Besondere des Kurses (die Kurssprache deutsch) verlorengegangen. Sicherlich habe ja nicht nur ich, gerade auch wegen der Kurssprache, diesen 2-teiligen Kurs ausgewählt…

Den zu bearbeitenden Stoff empfand ich als sehr viel. Zudem hat mir die Einordnung der einzelnen Teile in ein Gesamtbild gefehlt. Bspw. die Aneinanderreihung von Wikipedia-Artikeln im Kurs-Reader. Das waren jede Menge Informationen, aber Artikel aneinanderreihen, ist noch keine didaktische Aufbereitung.

Nun entsprach ich ja andererseits nicht der angegebenen Teilnehmergruppe, habe aber doch einige Vorkenntnisse und erfüllte die Voraussetzungen. Durch die aufwendige Stofferschließung des Neuen, habe ich sicher sehr viel mehr Zeit aufgewendet als jemand, der eben bspw. Informatik studiert.  So war der angegebene Zeitaufwand von 6h/Woche für mich nur durch selektive Auswahl möglich. Aber wie gesagt, ich gehörte ja nicht zur ausgewiesenen Zielgruppe und diese könnte ja durchaus mit dem Zeitrahmen klar gekommen sein. Insgesamt hat mir dann auch zu manchen Werkzeugen irgendwie der grundlegende Einstieg gefehlt. Ich musste ersteinmal nachlesen, was das eigentlich ist und was ich damit genau machen kann. Da haben mir die Videos manches Mal nicht weitergeholfen.

Die Qualität der Videos empfand ich als unterschiedlich, manche waren ok und bei manchen war für mich das Zuhören wirklich ermüdend, weil der Sprechende langsam und monoton sprach. Auch gab es bei manchen Lektionen nur Videos aus Youtube und in englisch, da hätte ich mir schon ein einführendes Video für die Lektion vom Kursteam gewünscht.

Bei den Quizfragen hat mich vor allem genervt, dass die Freitext-Antwort in einem ganz bestimmten Format gegeben werden musste. Schon ein Punkt zuviel konnte dazu führen, dass die Antwort falsch war.

Am Ende habe ich auch die Online-Abschlussprüfung mitgeschrieben. Die Abschlussprüfung setzte sich aus zwei Teilen zusammen: erstellen einer  Website mit bestimmten Inhalten und vorgegebenen Aufbau, die in die Cloud zu bringen war und einer Abschlussprüfung, in der Wissen abgefragt wurde und der Einsatz bestimmter Werkzeuge gefordert war. Der Prüfungsteil – Erstellen der Website – hat mir sehr viel Spass gemacht. Es war auch sehr interessant die Ergebnisse anderer anzuschauen, denn es gab eine große Spannbreite in der designerischen Umsetzung. Mit dem geforderten Einsatz von verschiedenen Werkzeugen bin ich nicht so recht klar gekommen. Aber mir ging es ja nicht darum, nun unbedingt die Abschlussprüfung zu bestehen. Es ging mir eigentlich darum, mal zu gucken, wie diese aufgebaut ist. Noch auf ein Wort zur Abschlussprüfung. In der Beschreibung steht, dass man ein Zertifikat erhalten würde, wenn man die Online-Abschlussprüfung bestünde und eine Website erstelle. Da wurden in der Beschreibung Versprechungen gemacht, die dann nicht eingehalten wurden, denn letztendlich gab es dann nur eine Teilnehmerbescheinigung von iversity.
Nun ist ja die Art des Nachweises von Leistungen in MOOCs und insbesondere die Zertifizierung, zurzeit ein heißdiskutiertes Thema und eine weitestgehend ungeklärte Frage (siehe dazu bspw. im oben genannten Buch von Schulmeister auf den Seiten 8, 116 und 262). Das bedeutet auch, dass unbedingt schon in der Konzeption geklärt werden sollte, was man den Teilnehmenden in Kursankündigungen zusichern kann und sie damit diesbezüglich erwarten können.

Da dies mein erster xMOOC war fehlen mir Vergleichsmöglichkeiten, um ein abschliessendes Urteil zu fällen. Es bedarf jedoch schon großes Interesse an der Thematik und einer hohen Selbstorganisation, die auch mit einer hohen Zeitinvestition dahergeht, um einen xMOOC von Anfang bis Ende durchzuhalten. Ohne den festen Willen ihn durchzuhalten, wäre wahrscheinlich auch ich dann irgendwann zwischendrin abgesprungen.  An der didaktischen Aufbereitung sollte in jedem Falle bei MOOCs, die dem beschriebenen ähnlich sind, noch gefeilt werden.  Ideen finden sich bspw. im bereits oben genannten Buch von Schulmeister.

Nichtsdestotrotz sind xMOOCs als freie Bildungsangebote natürlich auch immer eine gute Gelegenheit sein Wissen zu erweitern und neues kennenzulernen. Gelernt habe ich im Kurs tatsächlich einiges über das weite Feld des Web-Engineering und dazu werde ich noch einen Artikel schreiben.

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