Information Overload im Studium

In der 18. Ausgabe des WissensWert Blog Carnival wird die Frage gestellt: Wie gehen wir mit dem Information Overload um? Gefragt haben Andrea Back und Jochen Robes (siehe eben da). Ich beteilige mich gern…

Da ich zur Zeit studiere, hier meine ganz persönliche Sicht auf Information Overload als Studierende. Oft ist es so, dass es eine Vielzahl von Informationen zu relevanten Studieninhalten gibt und ich diejenige bin, die damit umgehen muss. Erst einmal unterstützen mich dabei die Studienmaterialien, die ja schon eine gewisse Eingrenzung vornehmen, möchte ich allerdings die angegebene Literatur dazu vertiefend lesen, dann muss ich selbst vorher eine rigide Begrenzung vornehmen.

Für mich bedeutet das:
– nach eigenen Interessen auswählen, aber auch die Anforderungen zum Bestehen eines Moduls nicht aus den Augen verlieren
– nach Verfügbarkeit wählen, da ich im Ausland lebe, kann ich ja nicht einfach in die nächste Bibliothek gehen und nach deutsch- oder auch englischsprachiger Literatur Ausschau halten –> klar gibt es in Portugal Bibliotheken und jede Menge Bücher, aber eben eher nicht in deutsch…
– da die Versendung von Büchern aus Bibliotheken möglich ist, aber es für ein Modul im Studium immer auch ein eng gehaltenes Zeitfenster gibt, muss ich relativ zügig entscheiden, welche Literatur ich benötige
– auch aus Kostengründen, muss ich mir sehr genau überlegen, welche Bücher ich mir aus deutschen Bibliotheken ausleihe oder welche ich mir kaufen möchte/kann
–> im Internet verfügbare Quellen sind deshalb schon aus diesen Gründen für mich immer sehr interessant

Diese sind mittlerweile äußert zahlreich und können schnell zum Information Overload führen. Das bedeutet für mich:
– strikt diszipliniert arbeiten, nur das weiterlesen, was ich wirklich gerade benötige
– das bedeutet fokussieren –> eben dann aber auch mit ‚Scheuklappen‘ suchen –> scheue das, wie interessant es auch gerade sein mag, was Du an dieser Stelle gerade nicht benötigst

Das beinhaltet die Gefahr zu strikt Informationen zu suchen und damit einer nicht immer gewollten Informationseingrenzung.

Deshalb ist meine Informationssuche oft eine Mischung zwischen Disziplin, Fokussierung und dabei aber auch andere, eher zufällig gefundene interessante Informationen, nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren. Ich lege mir dann oft Lesezeichen an, benutze Zotero oder auch Citavi, um evtl. später die Quellen genauer zu untersuchen und ihnen Informationen zu entnehmen. Manchmal mehr ein Wunsch, als tatsächlich realisierbar… Dem Chaos entgehe ich durch, für mich sinnvolle Ablage und ‚entrümpeln’…

Übrigens ist es auch thematisch nach meiner Erfahrung nicht immer so, dass es zu einem Information Overload kommt. Bei manchen Themen habe ich auch schon ziemlich langwierig nach, in meiner Einschätzung qualitativ guten, Informationen gesucht. Da sind dann Suchstrategien und Kreativität gefragt, um doch noch an gewünschte Informationen zu kommen.

Eine Information zu erhalten, ist auch noch lange keine Informationsverarbeitung, die wird aber nötig, wenn ich mit den Informationen weiterarbeiten möchte. Vor allem auch, wenn ich sie in mein Wissen übernehmen bzw. einbauen möchte. Und das kostet Zeit.

Zeit ist deshalb ein überaus wertvolles Gut im Wissenzeitalter.
Da sie so kostbar ist, gestehe ich, dass ich nicht alles, was mit Social Software möglich ist, auch intensiv nutze. Und ja manchmal mache ich einfach den Computer aus, lege alle Bücher beiseite, dann verarbeite ich und das bedeutet auch, Entscheidungen darüber zu treffen, welche Informationen ich als nächste haben möchte und eben auch, was ich nicht weiterverfolgen werde. Entscheidungskompetenz ist deshalb für mich eine wesentliche Fähigkeit – so vermeide ich meinen persönlichen Information Overload 😉
Aus meiner Sicht kann mir diese letztendlich auch keiner abnehmen und ich würde das auch auf keinen Fall wollen. Eher im Gegenteil, eine zu starke Eingrenzung hätte für mich schon den Geruch einer bewussten Beeinflussung meiner Gedanken. Dann lebe ich doch viel lieber mit den Information Overload.

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2 Antworten zu Information Overload im Studium

  1. Alicia schreibt:

    Hey,

    den „Informations-Overload“ kenne ich nur zu gut. Ich studiere z.Z. Wiwi an der Fernuni Hagen und weiß eigentlich erst seit dem Fernstudium, wie knapp die Zeit werden kann.

    Letztes Semester bin ich in totale Zeitnot gekommen, weil ich den Umfang und auch den anspruchsvollen Inhalt der Studienhefte zeitlich einfach nicht bearbeiten konnte.
    Zu den Studienheften kommen ja noch Bücher, Online-Tutorials etc. hinzu, die ebenfalls viel Zeit kosten.

    Am wichtigsten ist es aus meiner Sicht, rechtzeitig mit dem Lernen anzufangen, um keine Zeit zu verlieren. Mir hat die Erstellung eines Zeitplans total geholfen, ansonsten wäre ich wohl nicht konsequent genug.

    Bei Mathe und Statistik helfen mir die Studienhefte bei der Eingrenzung des Lernstoffs, jedoch lerne ich hier am liebsten mit Online-Tutorials etc., weil ich finde, dass der Stoff in den Heften nicht optimal dargestellt wird.

    Um den Info-Overload zu vermeiden, sollte man sich auf das Wesentliche konzentrieren, bzw. stest für die jeweilige Prüfung lernen. Alte Klausuren geben einen guten Einblick, was einen erwartet. Und wenn man erst herausgefunden hat, wie man selbst am besten lernt (ob mit Fachliteratur oder Online-Tutorials, in Gruppen etc.), wird man sich auch auf das Wesentliche konzentrieren können ;).

    Viele Grüße,

    Alicia

  2. katja schreibt:

    Liebe Marika,
    warum entdecke ich erst jetzt Deinen Blog!? Er gefällt mir ganz hervorragend und ich habe beim ersten schnellen Durchsehen viele interessante Dinge gesehen, die ich nochmal in Ruhe nachlesen werde. Toll, danke dafür!
    Da könnte ich fast Lust bekommen, meinen Blog aus dem Modul 1 auch wieder zu aktivieren 🙂
    Lg,
    Katja

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