Routine und Kreativität

Bei einem Kurztripp in die Toskana ist mir Sennett (Eintrag bei Wikipedia) eingefallen. Naja, jedenfalls fiel mir irgendwie die Aussage ein, dass Routinen im Arbeitsleben nicht nur langweilig sind, oder auch Sicherheit geben, sondern auch Kreativität ermöglichen. Das Spiel mit dem Material, mit dem sich der Tätige jeden Tag auseinandersetzt, wird ihm ermöglicht. Die dann eben aber auch verloren gehen könnte, wenn wie heute, der Mensch keine Routinen im Arbeitsleben mehr aufbaut (aufbauen kann). Er ist im flexiblen Kapitalismus eigentlich ständig auf dem Sprung und gerät in eine ‚Drift‘. Mal abgesehen davon, dass dies nur eine kleine Randnotiz im ganzen Werk ist, blieb es bei mir trotzdem hängen. Routine im Arbeitsleben, die Arbeit am gleichen Material, macht Kreativität möglich, weil der Tätige sein Material durch und durch kennt. Er kann so die Routine durch Kreativität aufbrechen. Am Ende stehen dann Produkte, die sicher nach heutigem Verständnis nicht genormt sind, aber sie sind wunderbar.

Mir fiel das alles wieder ein, als ich in Florenz und Siena die Ringe zum Festmachen von Tieren (Pferden) sah. Ein Handwerk, heute wäre es wohl Kunst…

Das Werk von Sennet:
Sennett, Richard; Richter, Martin (2010): Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus. 7. Aufl. Berlin: Berliner Taschenbuch-Verl.

Original:
Sennett, Richard (1999): The corrosion of character. The personal consequences of work in the new capitalism. 1. publ. as a Norton paperback. New York, NY: Norton.

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Eine Antwort zu Routine und Kreativität

  1. Mia schreibt:

    Eine sicherlich interessante Feststellung, dass Routine auch mit Kreativität verbunden ist. Obwohl diese Einstellung nicht jeder nachvollziehen kann. Mit routinierter Arbeit setzt man vielfach auch die automatisierte Arbeit in Verbindung, die wenig Kreativität der einzelnen Arbeiter offenbart. Allerdings muss man auch bei diesen nahezu immer gleichen Arbeitsprozessen zugeben, dass es zeitweise kreative Köpfe gibt, die durch Beobachtungen und Überlegung rationellere Arbeitsschritte ermöglichen. Ob solch ein kreativer Verbesserungsvorschlag allerdings mit kunstvoll und kreativ gearbeiteten Werkzeugen oder Gebrauchsartikeln viel zu tun hat müsste man genauer untersuchen. Anzunehmen ist aber, dass zu viel Routine und die immer währenden gleichen Arbeitsprozesse wohl wenig die individuelle Kreativität fördern, was nicht heisst, dass sie ganz abhanden kommt. Die Arbeit am gleichen Material ist wiederum eine andere Sache. Aber auch hier kommt es darauf an, in welchem Berufszweig und an welchem Arbeitsplatz gearbeitet wird.

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