Begriffssektion Informationskompetenz

Etwas merkwürdiger Titel für einen Blogbeitrag? Das ist Absicht (ich handle also volitional) und möchte die Leser neugierig machen! Sektion ein Begriff aus dem lateinischen bedeutet sectio=zerschneiden, zerteilen. Ich finde das passt, denn genau das tue ich jetzt hier.
Infomationskompetenz zerlege ich in Information und Kompetenz. Ich erhoffe mir davon, mich dem Begriff ganz grundlegend nähern zu können. Denn solche Begriffe die häufig und oft unreflektiert genutzt werden, haben ja gerade im Alltagsgebrauch die Eigenschaft, dass sie zu Schlagworten werden, die kaum noch hinterfragt werden.

Was ist also eine Information?
Information vom lateinischen informatio, mit den Bestandteilen ‘in’ und ‘forma’ also ‘eine Gestalt bzw. Form oder auch eine Auskunft geben’.
Da fällt nicht nur mir sicher eine Menge dazu ein, ich nähere mich dem Begriff auf der Grundlage von Schichtenmodellen, in denen Informationen zwischen Daten und Wissen eingebettet sind, so bspw. bei Aaamrodt und Nygard (Different roles and mutual dependencies of data, information, and knowledge – an AI perspective on their integration) oder auch von Krcmar (Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik). Beiden ist gemeinsam dass sie Informationen zwischen Daten und Wissen verankern.
Zur Darstellung kann man auch die Wissenspyramide verwenden, diese habe ich dem Wikipediabeitrag zu Wissen entnommen und zwar genaugenommen dieser Version:

Porat (1) definiert Informationen als „… Daten, die organisiert und kommunziert worden sind.” Es wird auch von der Interpretation von Daten gesprochen (so bei Aaamrodt und Nygard).
Die Zahlen 1879 und 1955 sind Daten. Man kann damit noch wenig anfangen, erst wenn eine Semantik (die Daten bekommeine eine Bedeutung) dazu kommt, vermitteln sie eine Information. Der Satz: Albert Einstein lebte von 1879 bis 1955 ist jetzt eine Information. Die Daten sind interpretiert, organisiert und hiermit auch kommuniziert.
Diese Information ist allerdings noch kein Wissen. Wissen entsteht erst, wenn derjenige der die Information zur Kenntnis nimmt, dieses in sein Wissen überführt und damit etwas anfangen kann. Wissen hat also einen pragmatischen Aspekt, derjenige der Informationen aufnimmt und verarbeitet, hat etwas gelernt und besitzt nun Wissen. Auf das Beispiel bezogen bedeutet das nun bspw.: nun hat er das Wissen, wann Einstein gelebt hat und kann Einsteins Wirken und sein Werk in einen geschichtlichen Kontext einordnen und er weiß nun auch, dass er Albert Einstein keine E-Mail schreiben kann, jedenfalls wird sie nicht von ihm beantwortet werden.
Ohne den Wissensbegriff hier zu vertiefen (so bspw. den Unterschied zwischen deklarativen und prozeduralen Wissen) stellt sich nun die Frage, wann ist denn nun der Umgang mit Informationen kompetent? Dazu wird nun der Begriff der Kompetenz etwas genauer untersucht.

Kompetenz vom lateinischen ‚kompetentia‘ mit der Bedeutung ‚Zuständigkeit, Befugnis‘.
Ein Begriff der in vielfältige Kompetenzen aufgeschlüsselt wird und ganze Bücher füllt, ich halte mich knapp und wer mag, kann sich in Literatur vertiefen.
Erpenbeck und Sauter (2) definieren Kompetenz: „Unter Kompetenzen verstehen wir Dispositionen zur Selbstorganisation, also Selbstorganisationsdispositionen“, Dispositionen sind dabei die „…zu einem bestimmten Handlungszeitpunkt entwickelten inneren Voraussetzungen zur Regulation der Tätigkeit“. Auf dieser Seite der FernUni in Hagen befindet sich übrigens ein Video in dem John Erpenbeck zum Thema Kompetenzbasiertes E-Learning einen Vortrag hält.
Nun ich nähere mich dem Kompetenzbegriff jetzt noch aus einer psychologischen Perspektive, (die Definition stammt aus einem Werk zu Leistungsmessung in Schulen) und zitiere dazu F. E. Weinert: Weinert (3) definiert Kompetenzen als „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“.

Zusammengefasst bedeutet das jetzt für mich:
Bei der Informationskompetenz geht es darum wie ein Mensch an Informationen kommt und wie er mit diesen umgeht. Er versieht Informationen mit Bedeutung und entscheidet dann, ob er weitere Handlungen vollzieht und löst damit sein Problem. Dieses Problem besteht darin, dass er einen Mangel an Informationen identifiziert bzw. das als Informationsbedarf zu fassen ist.
Nun interessiert natürlich, ob diese Zusammenfassung tragbar ist, wenn ich jetzt den Begriff wieder verbinde und so mache ich mich auf die Suche nach Definitionen von Informationskompetenz. Das geschieht in einem späteren Beitrag.


(1) Porat, M. (1977). The Information Economy: Definition and Measurement. Washington
DC: Government Printing Office. (Zitat von S. 2)
(2) Erpenbeck, J. & Sauter, W. (2007). Kompetenzentwicklung im Netz. New Blended Learning mit Web 2.0. Köln: Luchterhand (PersonalwirtschaftBuch) (Zitat von S. 65)
(3) Weinert, F. E. (2001). Leistungsmessung in Schulen – Eine umstrittene Selbstverständlichkeit. In: Weinert, F. E. (Hrsg.): Leistungsmessung in Schulen. Weinheim u. Basel: Beltz (Zitat von S. 27).
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Informationskompetenz abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s