Deutschlands Bildungssystem und die Aussage Deutschland braucht mehr Kinder

Im Modul 1C wird auch das deutsche Schulsystem detailliert dargestellt. Beim Lesen von Schlagworten, wie differentielle Entwicklungsmilieus, Durchlässigkeit und Entkopplung des Schulsystems stellten sich mir verschiedene Fragen. Deutschland hat (immer noch?) ein dreigliedriges Schulsystem. Die Hauptschule ist dabei der Ort, an dem alle die landen, die weder eine gymnasiale noch eine Realschule besuchen (können, dürfen oder sollen?). Begründet wird das dreigliedrige Schulsystem damit, das nach dem Leistungsvermögen der Schüler getrennt wird und es so für alle eine optimale Lernumgebung geben soll. Die IGLU- Studie belegt aber bspw. dass es für Schüler mit gleicher Lesekompetenz Empfehlungen auf das Gymnasium, in die Realschule und in die Hauptschule gab. Die Hamburger LAU-Studie wies zudem nach, dass es vor allem eine soziale Auslese ist. Ein Kind dessen Vater keinen Schulabschluss hat, muss für den Erhalt einer Gymnasialempfehlung deutlich bessere Leistungen erbringen, als das Kind eines Vaters mit Abitur.

Schon länger wird darüber gestritten, ob das überhaupt noch sinnvoll ist. Gesprochen wird davon, dass diese differentiellen Entwicklungsmilieus letztendlich dann so funktionieren, wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wer weniger gefordert wird, wird mit der Zeit auch immer schlechter. Da wird also viel Potenzial verschenkt und was ist ein Hauptschulabschluss denn heute noch wert? Was kann man damit noch werden? Anstatt also viel davon zu reden, dass Deutschland mehr Kinder braucht, sollte man doch lieber den vorhandenen mehr Bildung anbieten. Was nützen denn mehr Kinder, wenn heute schon ein nicht zu unterschätzender Teil eines Jahrganges mit Hauptschulabschluss am Ende doch keine Lehrstelle bekommt und dann arbeitet für ein Einkommen, das vorn und hinten nicht reicht oder sich früher oder später an die Hartz VI Schlange anstellen muss?

Klar, und das ist gut so, sind mit Entkopplung und Durchlässigkeit Instrumente geschaffen, die einen höheren Schulabschluss noch möglich machen. Die Durchlässigkeit funktioniert allerdings mehr von oben nach unten als andersherum. Und die Entkopplung? Man kann sein Abitur nun nicht mehr nur auf einem Gymnasium machen, sondern auch woanders, aber was passiert jetzt? Es kommt nun zu einer Hierarchiesierung formal gleicher Bildungsabschlüsse und damit ist dann ein Abitur, nicht mehr gleich einem Abitur…

Warum also mehr Kinder, sollte man nicht eher konsequent denen die da sind erstmal mehr Bildung anbieten und zwar ohne sie schon nach der vierten oder sechsten Klasse zu trennen? Warum nicht denen mehr bieten, die schon da sind? Anstatt auszulesen und die Schulbildungslandschaft immer weiter zu zerbröseln?

Leider ist im Modul 1C soviel Stoff zu bewältigen, dass eigentlich keine Zeit bleibt, viel über die verschiedenen Inhalte zu diskutieren, ich hoffe hier konnte trotzdem der Ansporn geweckt werden, beim Lesen der Texte, sich die Zeit zu nehmen und mal weiter als im Studienbrief behandelt, zu denken. Also einen Kaffee kochen und die Gedanken wandern lassen…

Zu sozialer Auslese: Die Deutschen brauchen mehr Kinder, aber wohl nicht alle gleichwertig? Die FDP sprach 2005 eine deutliche Sprache
IGLU Studie
Hauptschulen ein Auslaufmodell?
Hauptschulen ein Auslaufmodell in bafoeg-aktuell

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