Lurker in MOOCs #ocwl11

In der ersten Online-Sitzung im Open Course Workplace Learning hat Jochen Robes über den bereits stattgefundenen Open Course opco11 gesprochen. Er stellte dabei vor allem open learning in den Kontext von corproate learning. Thema und aufgezeichnete Sitzung sind hier zu finden.

Ich fand es spannend, dass in diesem Zusammenhang auch das Thema Lurker angesprochen wurde. Aber was ist ein Lurker?

Der Begriff vom englischen Wort `to lurk` entlehnt bedeutet auf deutsch: lauern, schleichen, sich versteckt halten. Das assoziiert ja nicht unbedingt etwas positives. Es könnte jedoch auch eine Verbindung zum deutschen Wort lugen hergestellt werden, was soviel meint wie spähend ausschauend. Und wenn man etwas kreativ wird, könnte man sich hier evtl. einen Luchs vorstellen, ein scheues Tier, welches aber über seine Umwelt genau informiert ist.

Nun der Lurker ist jemand, der ähnlich agiert. Er hält sich versteckt, d. h. in einem MOOC, Lurker sind diejenigen, die sich zwar informieren, jedoch, zumindest öffentlich im Web, nichts beitragen. In den Phasen eines MOOC´s nach Stephen Downes und George Siemens orientiert und ordnet er zwar, aber er geht nicht in die Phasen des Beitragens und Teilens über. Zu den Phasen bspw. hier im OPCO11 oder hier im OCWL11.

Warum tun sie es aber (noch) nicht? Gründe dafür sind so vielfältig, wie Menschen unterschiedlich. Bei mir selbst kann ich folgende Gründe für “lurken” feststellen:
– da jeder meinen Beitrag lesen könnte, möchte ich ihn korrekt formulieren und denke solange darüber nach, bis irgendwie die richtige Zeit vorbei ist
– ich habe das Gefühl, ich bin noch nicht so im Stoffgebiet vertieft, dass ich schon etwas für andere wesentliches dazu sagen könnte, was nicht schon gesagt wurde
– und dann ist es manchmal schlicht und ergreifend die Zeit, die fehlt.

Ein Lurker ist dabei nicht unbedingt ein Trittbrettfahrer, wie in der Psychologie definiert. Er sieht seinen Beitrag nicht als entbehrlich an, eher ist es das `noch nicht angekommen sein`,  `sich noch nicht trauen` oder `einfach noch nicht wissen, was genau er tun könnte`.

Nun, ich habe ja hier schon mal etwas über Open Learning allgemein geschrieben und manche Bedenken sind sicher auch auf MOOCs zu übertragen. Es ist etwas anderes, ob ich eine begrenzte, evtl. auch mir explizit bekannte Gruppe von Personen an meinen Gedankengängen teilhabe lasse oder ob dies öffentlich geschieht. Ein MOOC stellt auch implizit hohe Herausforderungen an die Teilnehmer (siehe dazu auch diesen Beitrag).

Die offene Frage bleibt dabei, wie kann ein MOOC gestaltet sein, um Lurker zu motivieren, sich aktiv zu beteiligen. Wie motiviert man also alle Teilnehmer? Übrigens auch, aus meiner Sicht, ein sehr aktuelles Thema im Wissensmanagement… Wie motiviert man Mitarbeiter ihr Wissen zu teilen?

About these ads
Dieser Beitrag wurde unter Bildungswege abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Lurker in MOOCs #ocwl11

  1. Hallo Marika,
    vielen Dank für diesen Beitrag zum ocwl11. Besonders spannend finde ich Deine Verlinkung auf Open Learning und die Studie zum MOOC. Habe zwar eben nur kurz reingelesen, werde mich aber nach Weihnachten intensiver mit den Texten beschäftigen.

    Herzlichen Gruß,
    Andrea Brücken, Patin der aktuellen Einheit 5 “Computermediiertes Lernen”

  2. Hallo Marika,

    bin sehr erfreut darüber, dass es wieder ein Beitrag von dir gibt. Dachte der Blog wäre mittlerweile eingeschlafen. Deine Seite bietet für mich interessante Anregungen, die ich noch garnicht ausschöpfen konnte, wie z.B L3T, was mich von der Geisteshaltung wie auch innhaltich überzeugt.

    Im Rahmen des Modul1 betreibe ich jetzt einen Blog mit sehr ähnlicher Thematik, was aber noch in den Kinderschuhen steckt. Die Tranformation von Lurker zum aktiven Blogger geht bei mir nicht so rassant von statten.

    Wünsch dir einen schönen Jahresabschluss und ein guten Start in neue Jahr.

    LG
    Jürgen

    • bildungscafe schreibt:

      Hallo Jürgen,

      nein, nein ich blogge auch weiterhin. Ideen für Artikel habe ich reichlich, es ist nur die Zeit, die mir irgendwie fehlt.
      Ich wünsche Dir ebenfalls einen guten Start ins neue Jahr. Viel Spaß beim Bloggen.und viel Erfolg im Studium! Werde ab und zu mal schauen, welche Themen Du so aufgreifst. Vielleicht ergibt sich ja mal ein Diskurs, die Krönung des Bloggens sozusagen ;-)

      VG
      Marika

  3. apanat schreibt:

    Hallo Mareike, du hast offenkundig hohe Ansprüche an deine Blogbeiträge. Da du sie erfüllen kannst, kannst du sie dir leisten.
    Bei Open Learning und MOOC kann man m. E. aber gar nicht Trittbrettfahrer sein, wenn man nicht zu einer verpflichteten Kerngruppe gehört. Wer bei so einem Kurs mitliest, ohne selbst beizutragen, tut ja nur etwas, wofür der Kurs sich ja ausdrücklich geöffnet hat.
    Streiten lässt sich freilich darüber, ob durch bloßes Lesen der mögliche Lernerfolg nicht enorm reduziert wird. Dabei sollte aber jeder für sich entscheiden, was für ihn im Augenblick das beste Verhältnis von Aufwand und Lernerfolg ist.
    Freilich, gelegentlich sollte man schon mal ausprobieren, was für einen Unterschied es macht, ob man nur mitliest oder ob man in die Wissenserarbeitung mit eingreift.
    Meist wird man durch Mitarbeit stärker motiviert. Ich denke dabei freilich auch an einen begabten Schüler der 5. Klasse, der auf diese Art der Motivation verzichtete, weil er bald heraus hatte, dass er mit seinen Antworten den Lernerfolg der Klasse gefährdet hätte. Er gab also keine Antworten, sondern stellte nur Fragen, die seiner Meinung nach den anderen zum besseren Verständnis de Stoffes helfen konnten. Nur am Ende der Stunde gab er weiterführende Hinweise, um sich und dem Lehrer zu beweisen, dass er alles verstanden hatte.
    Da war sein Lurken eine wohl bedachte Methode, den anderen nicht durch vorschnelle Antworten die Lust am selbständigen Denken zu rauben.

    • bildungscafe schreibt:

      Klar ist ein MOOC etwas anderes, als eine Gruppenaufgabe in einem formalen Lernszenario. Warum man nicht selbst öffentlich aktiv wird, kann viele Gründe haben. Ein Lurker im Online-Kurs könnte jedoch bspw. mit Arbeitskollegen durchaus die Informationen gemeinsam verarbeiten, ohne dass dies im Kurs sichtbar ist. Man kann sich auch ganz bewusst dagegen entscheiden, im öffentlichen Raum aktiv zu werden. Oder auch, wie das gegebene Beispiel zeigt, bewusst nicht teilnehmen, weil man selbst der Meinung ist, dass der Wissensvorsprung so groß ist, dass man mit Beiträgen andere eher im Lernprozess behindern würde.

      Erste Forschungen zu MOOC´s gibt es ja bereits (siehe Studie hier: http://bildungscafe.wordpress.com/2011/05/21/studie-uber-moocs/). In dieser Studie fand man heraus, dass nur wenige Teilnehmer auch einen eigenen digitalen Artefakt erstellten (40-60 von 1610 – siehe S. 35 in der Studie), trotzdem waren viele mit ihren Lernergebnissen zufrieden.
      Für mich wäre das eine interessante Forschungfrage, warum lurkt man und welche Auswirkungen hat dies auf den Lernerfolg? Klar scheint dabei für mich zu sein, dass lurken nicht gleichzusetzen ist mit “nicht aktiv” oder “keine Wissensverarbeitung”, es ist eben erst einmal nur nicht sichtbar im Kurs.

  4. Lore reß schreibt:

    Warum unbedingt Lurker in Aktive ummotivieren?
    Ich lese das, war gerade zu mienen Themen passt, der Rest rauscht vorbei – lasst uns Lurker doch einfach weiterlurken, ist ja schließlich ein MOOC – oder?

  5. vorbeirauschen, dass ist das richtige Wort – wenn ich bei diesem MOOC endlich irgendwo angekommen bin, sind alle anderen schon längst wieder weitergezogen… Bin ich deswegen ein Trittbrettfahrer? Das Wort hat so etwas negatives für mich – es ist glaub ich bei einigen nicht so, dass sie nichts einbringen wollen, sondern das einfach der richtige Zeitpunkt schon vorbei ist… oder das einfach die Zeit fehlt.
    Lasst uns doch einfach lauschen.
    Mich erinnert die Debatte um die Lurker an die Situation, wenn ich auf einer Party bin und alle tanzen. Ich hab aber keine Lust zu tanzen und schau nur zu und genieße den Anblick des bunten Treibens. Die Party ist jetzt aber weder besser noch schlechter, wenn sich jemand entschließt nicht mitzutanzen – ganz im Gegenteil, die Stimmung kippt eher dann, wenn nur allzu beharrlich an dem Nichttanzwilligen gezerrt wird…

  6. Die Wissensweitergabe im Web 2.0 stellt uns alle vor die gleichen Probleme. Unser akademisches Reisegepäck kommt in der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts nicht mehr so richtig an und das verunsichert. Irgendwie sind die meisten von uns in einer abwartenden Haltung, hören zu und lesen mit, aber da es im Web 2.0 keinen Radiergummi gibt, ist die Vorsicht gross, so einfach vor sich hinzuschreiben. Daran scheitern auch viele Wikis und Onlineplattformen.
    Stösst das Mitmachweb hier auf Widerstände in Veränderungsprozessen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s